Condor-Digital

Von der ersten Mittelline auf der Zeichnung  bis hin zum Erstflug der Fw 200 V1 wurden 1936/37  206000 Stunden an Kunstruktionsarbeit geleistet und dabei 1947 Zeichnungsblätter erstellt. Das ergibt 106 Stunden pro Zeichnungsblatt. Die Anzahl der Konstrukteure und Zeichner ist leider nicht überliefert.

80 Jahre später sind wir in der glücklichen Lage, für die Rekonstruktion der fehlenden Strukturteile zeitgemäße Konstruktionsmittel zu nutzen. Den Konstrukteur und den Zeichner gibt es zwar noch, aber die Zeichnungen werden auf rechnergestützten Systemen erstell mit denen heute (2017) in der Luftfahrtindustrie gearbeitet wird und das weltweit.

Dank an Airbus für die Bereitstellung und den Zugang zum CAD(Computer-aided design Software). Gepaart mit der Hilfe erfahrenen Konstrukteure, die sich im Condor Team eingefunden haben und einen großen Erfahrungsschatz mitbringen, quasi  ihr Geschäft über die Jahre von der Pike auf gelernt haben (C-160, VAK191B, VFW614, MRCA, Fokker 27  bis 100, MPC-75, A300, EF-2000, A310 bis A380, A400M und jetzt Fw 200), sind wir in der Lage, auch große Strukturteile zu rekonstruieren.

Wieviel Zeichnungen bis jetzt entstanden sind, und die genaue Anzahl der Stunden, die dazu aufgewendet wurden, wird am Ende gezählt, wenn es dann noch wichtig ist.

Zeichnungen sind die halbe Miete, die Zeichnungen müssen auch richtig umgesetzt werden, in tolle, ursprüngliche Formen und dazu ist professionelle Arbeit gefragt, und die ist im gesamten Condor Team ausnahmslos vorhanden.

Die bisherigen Ergebnisse können sich wirklich sehenlassen, Stück für Stück, well done! Teamgeist sei Dank.

 

Fotos: Condor Team Bremen / MR / JM

 

 

Das CATIA 3D Modell der Fw 200 ermöglicht uns nicht nur exakte 2D Zeichnungen aller Flugzeugkomponenten zu erstellen, sondern es bildet auch die Grundlage für aerodynamische Untersuchungen.

Erste Versuche zur Ermittlung der Druckverteilungen und der Strömungsverhältnisse wurden mit Hilfe des Fw 200 3D-Modells durchgeführt.  Die ersten Simulationsversuche sind durchaus vielversprechend verlaufen.

 

Eine nähere Beschreibung des gesamten Simulationsversuches erfolgt später an dieser Stelle.

 

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Fotos: Condor Team Bremen / Airbus

Einen Wermutstropfen gibt(gab) es beim 3D-Modell der Fw 200. Das momentane Modellleitwerk mit Höhen- und Seitenleitwerk entspricht nur annähernd der Originalstruktur, weil es ausschließlich auf skalierte Daten aus Zeichnungen ohne Maßangaben beruht. Es war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, die gesamte vorhandene Geometrie des Seiten-und Höhenleitwerks zu ermitteln.

Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass wir in Kontakt mit einer Abteilung bei Airbus in Finkenwerder  treten konnten,  deren Mitarbeiter in der Lage sind, Großbauteile mit 3D-Scannern optisch zu erfassen. Die Genauigkeit der optischen Messsysteme basiert auf hochmoderner Optoelektronik, präziser Bildverarbeitung und mathematischen Algorithmen und wird durch hohe Präzisionsstandards gewährleistet. Dieses System  generiert 3D-Koordinaten, die alle relevanten Objektinformationen enthalten. So ist es auch möglich die 3D Scan-Daten direkt in das CATIA-Programm zu überführen und damit die vorhandene ungenaue Leitwerksgeometrie durch die neue präzise Scangeometrie zu ersetzen. .

Nach einer kurzen Abstimmungsphase über den Arbeitsumfang und Zeitplan aller Beteiligten, wurde das Fw 200 Leitwerksprojekt im Januar 2019 in Angriff genommen.

Obwohl unsere Hamburger Condor-Kollegen in Fuhlsbüttel auf sehr beengtem Raum ihre Leitwerksrestaurierung durchführen, konnte das gesamte Leitwerk problemlos gescannt werden.  Immerhin hat die Höhenleitwerksflosse eine Spannweite von etwa 10,00m.

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Die nicht gerade üppigen Raumverhältnisse in Hamburg hatten keinen Einfluß auf den Scannablauf. Platz ist in der kleinsten Hütte.

Fotos: Condor Team Hamburg  / Airbus

 

Das Leitwerk wurde nicht im zusammengebauten Zustand gescannt, sondern jede Komponente einzeln.

Das heißt: Die Seiten- und Höhenflossen, der entsprechende Rumpfbereich und dann noch alle Steuerflächen wurden einzeln gescannt. Dadurch wurde auch gewährleistet, dass jeweils die gesamte Struktur der jeweiligen Komponente vollständig erfasst werden konnte. Auch das wir an den wichtigen Strukturpunten Referenzpunkte definiert haben, konnten somit alle Einzelkomponenten am Rechner wieder zu einem Gesamtleitwerk zusammengefügt werden. Und alles passt!

Fotos: Condor Team Hamburg / Airbus

 

Am Rumpf ist der Spant 9 der Referenzspant für den Zusammenbau von Rumpf(Spant 1-9) und Leitwerk(Spant 9-13). Am Rechner klappte diese Montage reibungslos, sodass wir jetzt ein (fast)komplettes Fw 200 3D-Modell zur Verfügung haben.

In der Realität wird diese Montage wohl in der ersten Jahreshälfte 2020 erfolgen.

 

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Foto: Condor Team Bremen

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Die Gesamtansicht des 3D-Modells.

Foto: Condor Team Bremen / Airbus

Die obere Abschlußkappe von der Seitenleitwerksflosse, der Heckkonus vom Rumpf und die Übergangsverkleidungen vom Höhenleitwerk zum Rumpf müssen noch rekonstruiert werden. Danach wäre dann das Modell komplett. Für die noch anstehenden Rekonstruktionen sind wir auf exakte Strukturdaten angewiesen, die wir jetzt haben.

Großen Dank an alle Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und für dieses großartige Ergebnis.

 

Das finale 3D-Modell der Fw200 Condor:

Foto: Condor Team Bremen MR / Airbus

 

Der nächste Schritt in die digitale Condor Zukunft ist nicht mehr weit entfernt.  Die Virtuelle Realität, kurz VR, ermöglicht das Abtauchen in eine virtuelle Welt. Dank unseres CATIA 3D-Modells ist es jetzt keine Utopie mehr. Mit Hilfe einer VR-Brille kann man als Betrachter vollständig in die grafische Simulation eintauchen, um sich mit der Condor auf Augenhöhe zu treffen. Rundgänge ums Flugzeug unternehmen, Strukturteile betrachten, sogar ins Flugzeug gehen, aus dem Cockpit schauen und vieles mehr ist jetzt im Bereich des Möglichen. Dazu sind aber noch einige Tests erforderlich.

Den ersten Test hat unser Modell bestanden, es ist VR-tauglich!

Fw200_Protospace_VR_01

Foto: Condor Team Bremen / Airbus

Beam me up, Scotty!

Demnächst mehr an dieser Stelle.