Unser Flugzeug

82 Jahre nach dem Rollout der ersten Fw 200 Condor könnte wieder ein Rollout  der Condor in Bremen stattfinden…

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Foto: Condor Team Bremen

Eigentlich ist „Unser Flugzeug“ im übertragenen Sinne eine Art von „Mischwesen“,  wenn es nach der Restaurierung wieder in voller Schönheit zu bewundern ist.

Durch den gesteuerten Absturz (notgewassert und versunken) der 0063 im Jahre 1942 selbst, dann die  57 langen Jahre im Salzwasser und zusätzlich noch der bedauerliche Unfall bei der Bergung haben dazu beigetragen, dass sehr viele Strukturteile aus der 0063-Bergung einfach nicht mehr vorhanden oder soweit in Mitleidenschaft gezogen worden sind, dass sie nicht mehr restauriert werden können.

Eine Suche nach Fw200 „Ersatzstrukturen“ setzte ein und erfolgsversprechende Wrackfundorte wurden lokalisiert. Bergungen an den Fundorten wurden organisiert und sind erfolgreich durchgeführt worden. Es war nicht nur eine Frage der Zeit, wann und wie die Bergungen durchgeführt werden, sondern auch eine Frage der grundsätzlichen Entscheidungen und „glückliche“ Umstände, die dann zusammen genommen zielführend waren.

Das Ergebnis all dieser Bemühungen zur Suche nach den“Ersatzstrukturen“:

  • Der Rumpf wird bis auf den Bereich der Leitwerke komplett neu gebaut.
  • Einzelne Strukturteile für das  Leitwerk stammen von der Fw 200 C-1, Werk-Nr. 0002, die vor Dyrøy in Norwegen 1942 abgeschossen wurde.
  • Die Außenflügel stammen von einer Fw 200 C-4, Werk-Nr. 0140, die auf dem Berg Kvitanosi in Norwegen 1942 abgestürzt ist.
  • Der Cockpit-Fensterrahmen stammt von einer Fw 200 C-4, Werk-Nr 0163, die bei Vaernes in Norwegen 1944 in den Lavangenfjord stürzte
  • Alle vier BRAMO 323 R2 Triebwerke stammen nicht von den abgestürzten Maschinen, sondern zwei  aus einer privaten Sammlung und ein Triebwerk aus einem Luftfahrtmuseum in Madrid. Dieses BRAMO 323-R2 Triebwerk war an einer spanischen Do 24 installiert. Mit Ersatzteilen von MTU und der Firma Dachsel Flugmotorenreparatur lässt sich ein vierter Motor bis zu 80% aufbauen.

Somit setzt sich „Unser Flugzeug“ aus Teilen einer Fw 200 C-1, einer C-3,  zweier C-4,  vier  „Triebwerksspendern“ und einem fast kompletten Rumpfneubau zusammen.

Im Nachhinein wird man die Unterschiede am fertigen Flugzeug nicht bemerken, wenn man sie nicht kennt. Dabei bringt jedes der beteiligten Flugzeuge seine ganz eigene Geschichte mit in das „neue“ Flugzeug ein.

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Bergungsorte der Fw 200 C’s in Norwegen

Ohne Zweifel, die Fw200 strahlte auf den ersten Blick eine besondere Eleganz aus, die auch heute noch auf Fotos und Filmen Bestand hat. Dazu konnte sie noch mit technischen Höchstleistungen aufwarten, welche zu der damaligen Zeit einzigartig waren.

Als Passagierflugzeug konzipiert, läutete sie eine neue Ära im Luftverkehr ein und setzte in jeder Hinsicht Standards. Diese Leistungen lenkten auch die Aufmerksamkeit der damaligen deutschen Luftwaffe auf die Fw 200, zumal es kein leistungsmäßig vergleichbares Flugzeug in der Luftwaffe  gab. Bedingt durch die politische Lage in Deutschland wurde die militärische Ausrichtung der Fw 200 beschleunigt und der Ausbruch des Zweten Weltkrieges setzte der zivilen Karriere der Fw 200 ein jähes Ende.

Ob zivil oder militärisch, keine einzige Fw200, von der 275 Stück gebaut worden sind, hat bis heute als komplettes Flugzeug die Zeit überlebt.

Die Fw 200 gehört zu unserer Luftfahrtgeschichte; wenn wir die Möglichkeit haben, dann sollten wir dieses Flugzeug wieder aufbauen.

Zumal sich die restaurierte Maschine aus  mehreren „Einzelschicksalen“ zusammensetzen wird. Außerdem wird dadurch aufgezeigt, wie die Idee vom friedfertigen komfortablen Reisen, gepaart mit Eleganz und technischer Höchstleistung, von den damaligen Machthabern ins genaue Gegenteil verkehrt wurde.

 

 Grafik: Böttcher

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